EÜR: Wer sie nutzen darf und ein Jahr als Rechenbeispiel
Mit der Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) ermitteln Sie den Gewinn als Einnahmen minus Ausgaben, nach dem Tag der Zahlung. Das dürfen Freiberufler und Gewerbetreibende unter den Grenzen von 800.000 Euro Umsatz und 80.000 Euro Gewinn. Eine GmbH darf es nicht.
Das ist eine allgemeine Information. Es ist keine Beratung zu Ihrem eigenen Fall.
Wer darf
| Wer | EÜR möglich? |
|---|---|
| Freiberufler | Ja, ohne Umsatzgrenze aus § 141 AO |
| Gewerbe bis 800.000 Euro Gesamtumsatz und bis 80.000 Euro Gewinn | Ja |
| Gewerbe über einer der Grenzen | Bis das Finanzamt Sie zur Buchführung auffordert |
| GmbH, UG und andere Kapitalgesellschaften | Nein, Buchführungspflicht |
Die Grundlagen sind § 4 Abs. 3 EStG und § 141 AO. Die EÜR geht elektronisch ans Finanzamt, nach amtlichem Datensatz; davon gibt es nur auf Antrag eine Ausnahme (§ 60 Abs. 4 EStDV).
Es zählt der Tag der Zahlung
Einnahmen gehören in das Jahr, in dem das Geld kommt. Ausgaben gehören in das Jahr, in dem Sie zahlen (§ 11 EStG). Regelmäßig wiederkehrende Zahlungen kurz um den Jahreswechsel zählen zu dem Jahr, zu dem sie gehören. Als kurze Zeit gelten in der Praxis zehn Tage, und in diesen zehn Tagen müssen Fälligkeit und Zahlung liegen.
Drei Zahlungen um den Jahreswechsel 2026/2027:
| Vorgang | Zahlung | Gehört in |
|---|---|---|
| Rechnung vom 20. Dezember 2026 über 5.950 Euro | 5. Januar 2027 | 2027, denn das Geld kam erst 2027 |
| Büromiete für Dezember 2026, fällig am 31. Dezember 2026 | 3. Januar 2027 | 2026, wiederkehrend, Fälligkeit und Zahlung innerhalb von zehn Tagen |
| Einmaliger Auftrag an einen Grafiker, Rechnung Dezember 2026 | 3. Januar 2027 | 2027, nicht wiederkehrend |
Ein ganzes Jahr mit Zahlen
Eine erfundene Freiberuflerin rechnet Umsatzsteuer ab. Sie hat 2026 alles auf dem Konto gesehen, was hier steht:
| Posten | Betrag |
|---|---|
| Honorare netto, eingegangen | 60.000 Euro |
| Umsatzsteuer darauf, eingenommen | 11.400 Euro |
| Einnahmen | 71.400 Euro |
| Betriebsausgaben netto, bezahlt | 14.000 Euro |
| Vorsteuer darauf, bezahlt | 2.100 Euro |
| Umsatzsteuer ans Finanzamt, 2026 bezahlt | 8.900 Euro |
| Ausgaben | 25.000 Euro |
| Gewinn | 46.400 Euro |
Der Gewinn liegt 400 Euro über der Rechnung ohne Umsatzsteuer (60.000 minus 14.000 Euro). Der Grund: Von der Zahllast von 9.300 Euro waren Ende 2026 erst 8.900 Euro bezahlt. Die Umsatzsteuer gehört in der EÜR zu den Einnahmen und Ausgaben, und der Rest von 400 Euro wird erst 2027 zur Ausgabe.
Was oft schiefgeht
- Anlagegüter sofort absetzen. Abnutzbares Anlagevermögen läuft über die Abschreibung oder als geringwertiges Wirtschaftsgut nach den Regeln, die § 4 Abs. 3 EStG nennt.
- Bewirtung voll ansetzen. Geschäftsessen zählen zu 70 %, mit Ort, Tag, Teilnehmern und Anlass (§ 4 Abs. 5 EStG).
- Belege nachher suchen. Die EÜR braucht weniger Abschlussarbeit als eine Bilanz, die Aufbewahrungspflichten aber bleiben: GoBD einfach erklärt.
Und Octobooks?
Octobooks ist ein doppeltes Hauptbuch. Für Einzelunternehmer in Deutschland ordnet es die Zeilen des Hauptbuchs der EÜR zu und listet unbezahlte Rechnungen daneben auf. Sie übermitteln die EÜR selbst oder über Ihre Kanzlei, ELSTER ist nicht eingebaut. Für die Umsatzsteuer-Voranmeldung gilt dasselbe. Für Österreich: Einnahmen-Ausgaben-Rechnung und die E/A-Vorlage in Excel.